1 November 2026

Dresdner SC gegen VfB Suhl

Dresden zeigt dem Meister die Grenzen

VfB Suhl verliert das dritte Spitzenspiel in Folge

Es sollte ein Volleyballabend werden, der Erinnerungen an die größten Erfolge der vergangenen Saison weckt. Noch im April hatte der VfB Suhl LOTTO Thüringen 01 Dresdner SC im Finale um die Deutsche Meisterschaft bezwungen. Anfang Oktober folgte mit dem 3:0-Erfolg im Supercup ein weiterer Triumph über die Mannschaft aus Sachsen. Doch nur vier Wochen später präsentierten sich die Kräfteverhältnisse deutlich verändert.

Vor 2.781 Zuschauern in der Dresdner Cyberport-Arena musste sich der amtierende Deutsche Meister am 31. Oktober dem Dresdner SC mit 0:3 (25:27, 17:25, 17:25) geschlagen geben. Nach den Niederlagen gegen Stuttgart und Schwerin war es bereits die dritte Niederlage innerhalb von acht Tagen.

Besonders bitter: Die Thüringerinnen hatten durchaus Möglichkeiten, das Spiel in eine andere Richtung zu lenken. Doch erneut verhinderten Schwächen in der Annahme und fehlende Konstanz in entscheidenden Situationen ein besseres Ergebnis.

200 Suhler Fans begleiten ihr Wolfsrudel

Die Voraussetzungen für einen stimmungsvollen Volleyballabend waren gegeben. Rund 200 Anhänger des VfB Suhl hatten sich mit einem Sonderzug auf den Weg nach Dresden gemacht, um ihre Mannschaft zu unterstützen.

Für beide Mannschaften stand einiges auf dem Spiel. Während Suhl nach zwei Niederlagen gegen die Spitzenmannschaften Stuttgart und Schwerin dringend ein Erfolgserlebnis benötigte, wollte Dresden die überraschende 2:3-Niederlage gegen Schwarz-Weiß Erfurt vergessen machen.

Es war also nicht nur die Neuauflage des Meisterschaftsfinales, sondern auch das Aufeinandertreffen zweier Mannschaften, die unbedingt eine Reaktion zeigen wollten.

Und zunächst entwickelte sich tatsächlich jenes Spitzenspiel, das die Zuschauer erwartet hatten.

Ein Satz, der alles verändern konnte

Der erste Durchgang war geprägt von intensiven Ballwechseln, spektakulären Rettungsaktionen und ständig wechselnden Führungen.

Keine Mannschaft konnte sich entscheidend absetzen. Beide Teams kämpften um jeden Punkt und versuchten, mit druckvollen Angriffen die Kontrolle zu übernehmen.

Als Dresden mit 23:20 führte, schien die Entscheidung bereits gefallen. Doch das Wolfsrudel zeigte Kampfgeist. Mit vier Punkten in Folge drehten die Thüringerinnen den Rückstand und erspielten sich beim 24:23 sogar einen Satzball.

Plötzlich war die Möglichkeit greifbar, dem Favoriten den ersten Satz abzunehmen.

Doch genau in dieser entscheidenden Phase offenbarte sich erneut eine Schwäche, die Suhl bereits in den vorangegangenen Begegnungen begleitet hatte: die fehlende Sicherheit in der Annahme.

Dresden gelang der Ausgleich, und schließlich entschieden die Gastgeberinnen den umkämpften Satz mit 27:25 für sich.

Ein Aufschlagass von Maia Dvoracek setzte den Schlusspunkt.

Es war ein Satzverlust, der besonders schmerzte. Denn Suhl hatte bewiesen, dass die Mannschaft durchaus in der Lage war, mit Dresden auf Augenhöhe zu spielen.

Dresden übernimmt die Kontrolle

Auch der zweite Satz begann zunächst ausgeglichen. Beide Mannschaften punkteten nahezu im Gleichschritt, ohne dass sich eine Seite entscheidende Vorteile erspielen konnte.

Doch mit zunehmender Spieldauer veränderte sich das Bild.

Dresden erhöhte den Druck beim Aufschlag, stabilisierte seine Feldabwehr und brachte die Suhler Annahme immer häufiger in Schwierigkeiten.

Beim Stand von 15:11 hatten sich die Gastgeberinnen erstmals einen deutlicheren Vorsprung erarbeitet. Wenig später führte Dresden bereits mit 18:12.

Die Thüringerinnen bemühten sich, den Anschluss wiederherzustellen. Doch anders als im ersten Satz gelang keine entscheidende Aufholjagd.

Vor allem eine Spielerin rückte zunehmend in den Mittelpunkt: Mackenzie Foley.

Die ehemalige Suhler Außenangreiferin, die in der vergangenen Saison noch maßgeblich am historischen Double beteiligt gewesen war, zeigte gegen ihren früheren Verein eine überzeugende Leistung.

Mit druckvollen Angriffen setzte sie immer wieder Akzente und steuerte insgesamt 13 Punkte zum Dresdner Erfolg bei.

Dresden gewann den zweiten Satz schließlich deutlich mit 25:17.

Hoffnung im dritten Satz

Wer geglaubt hatte, Suhl würde sich nach dem deutlichen zweiten Satz geschlagen geben, wurde zunächst eines Besseren belehrt.

Die Mannschaft von Trainer László Hollósy startete engagiert in den dritten Durchgang.

Mit verbessertem Angriffsspiel und größerer Entschlossenheit erspielten sich die Thüringerinnen eine 9:5-Führung, die sie wenig später sogar auf 10:5 ausbauten.

Für einen kurzen Moment schien sich das Blatt noch einmal wenden zu können.

Doch dann folgte eine Phase, die sinnbildlich für die Schwierigkeiten des VfB Suhl in dieser englischen Woche stand.

Nach einer erfolgreichen Challenge zugunsten der Dresdnerinnen verloren die Gäste zunehmend ihren Rhythmus.

Dresden kämpfte sich Punkt für Punkt heran, glich zum 10:10 aus und übernahm anschließend wieder die Kontrolle.

Aus einer vielversprechenden Suhler Führung wurde innerhalb weniger Minuten ein deutlicher Rückstand.

Beim 16:13 und später 19:14 für Dresden war die Vorentscheidung gefallen.

Die Gastgeberinnen ließen sich den Vorsprung nicht mehr nehmen und gewannen auch den dritten Satz mit 25:17.

Nach nur 79 Spielminuten stand der verdiente 3:0-Erfolg des Dresdner SC fest.

Die Annahme wird zum entscheidenden Problem

Die statistischen Zahlen verdeutlichen, weshalb die Thüringerinnen trotz guter Spielphasen letztlich ohne Satzgewinn blieben.

Besonders auffällig war die Überlegenheit Dresdens beim Aufschlag.

17 direkte Aufschlagpunkte erzielten die Gastgeberinnen. Suhl kam lediglich auf drei Asse.

Damit gewann Dresden allein durch direkte Aufschlagpunkte 14 Zähler mehr als der Deutsche Meister.

Gleichzeitig unterliefen den Thüringerinnen 17 direkte Annahmefehler.

Diese Zahlen erklären einen wesentlichen Teil des Spielverlaufs.

Eine unsichere Annahme erschwert den geordneten Spielaufbau. Die Zuspielerin erhält weniger Möglichkeiten, ihre Angreiferinnen variabel einzusetzen. Dadurch werden die Angriffe berechenbarer und für den gegnerischen Block leichter zu verteidigen.

Bemerkenswert ist allerdings, dass beide Mannschaften eine Angriffsquote von 43 Prozent erreichten.

Suhl war im Angriff also keineswegs grundsätzlich chancenlos. Die entscheidenden Unterschiede lagen vielmehr darin, wie häufig Dresden durch seine Aufschläge direkte Punkte erzielte und wie zuverlässig beide Mannschaften ihre Angriffe vorbereiten konnten.

Zwei Spielerinnen setzen besondere Akzente

Auf Dresdner Seite überzeugte vor allem Maia Dvoracek. Mit 19 Punkten war sie die erfolgreichste Angreiferin der Begegnung und wurde verdient als wertvollste Spielerin ausgezeichnet.

Auch Mackenzie Foley zeigte mit ihren 13 Punkten, weshalb sie bereits in der vergangenen Saison zu den herausragenden Spielerinnen der Bundesliga gehörte.

Für den VfB Suhl war Nina Dreisigova mit ebenfalls 13 Punkten die erfolgreichste Angreiferin.

Die Auszeichnung als wertvollste Suhler Spielerin erhielt Libera Emma Sambale.

Trotz ihres Einsatzes konnte jedoch auch sie nicht verhindern, dass die Dresdner Aufschläge die Suhler Annahme immer wieder vor erhebliche Probleme stellten.

Eine Niederlage mit wichtigen Erkenntnissen

Dresden zeigte an diesem Abend eine geschlossene Mannschaftsleistung und bewies, weshalb das Team zu den Favoriten auf die Deutsche Meisterschaft zählt.

Für Suhl bleibt dagegen die Erkenntnis, dass einzelne gute Spielphasen gegen Spitzenmannschaften nicht ausreichen.

Die Thüringerinnen müssen wieder lernen, ihre Leistungen über längere Zeiträume konstant abzurufen.

Vor allem die Annahme und das eigene Aufschlagspiel werden in den kommenden Trainingseinheiten besondere Aufmerksamkeit benötigen.

Die bevorstehende Bundesligapause könnte deshalb zum richtigen Zeitpunkt kommen.