17 October 2026

VfB Suhl gegen ETV Hamburg

Ein Sieg mit Licht und Schatten – Suhls Wolfsrudel muss gegen Hamburg kämpfen

Was für ein Auftakt! Was für eine Begeisterung! Und was für eine unerwartete Wendung! Als der VfB Suhl LOTTO Thüringen gegen die ETV Hamburger Volksbank Volleys mit einer unglaublichen 9:0-Führung in die Begegnung startete, schien alles auf einen weiteren souveränen Auftritt des Deutschen Meisters hinauszulaufen. Die Wolfsgrube jubelte, die Thüringerinnen spielten wie entfesselt und die Gäste aus Hamburg wirkten nahezu chancenlos.

Doch Volleyball wäre nicht Volleyball, wenn sich ein Spiel nicht innerhalb weniger Minuten völlig verändern könnte. Aus spielerischer Leichtigkeit wurden plötzlich Unsicherheit und Nervosität. Aus einem scheinbar übermächtigen Favoriten wurde eine Mannschaft, die um jeden Punkt kämpfen musste. Die 1.064 Zuschauer erlebten ein Wechselbad der Gefühle, ehe das Wolfsrudel mit einem 3:0-Erfolg (25:16, 25:18, 25:22) seine Tabellenführung verteidigte. Ein Sieg, der am Ende deutlicher aussah, als er tatsächlich war.

Traumstart mit unerwarteten Folgen

Mit Lara Nagels am Aufschlag startete das Wolfsrudel furios. Eine unglaubliche 9:0-Führung ließ die Fans jubeln. Suhl dominierte nahezu nach Belieben, während die Hamburgerinnen kaum ins Spiel fanden. Der erste Satz ging mit 25:16 verdient an die Thüringerinnen.

Doch schon im zweiten Durchgang änderte sich das Bild. Zwar führte Suhl zunächst erneut mit 4:0, doch plötzlich schlichen sich Unsicherheiten ein. Aufschlagfehler, Annahmeprobleme und erfolgreiche Blockaktionen der Hamburgerinnen brachten den Favoriten aus dem Rhythmus.

Phasenweise entwickelte sich die Begegnung zu einem regelrechten Festival der Eigenfehler. Mal waren es die Thüringerinnen, die unnötige Punkte verschenkten, dann wieder die Elbstädterinnen, die ihre Chancen durch eigene Fehler zunichtemachten.

Hamburg nutzte die Suhler Schwächen und führte zwischenzeitlich mit 16:13. Doch angeführt von einer starken Lara Nagels kämpfte sich das Wolfsrudel zurück und gewann auch diesen Satz mit 25:18.

Ein dritter Satz voller Emotionen

Wer nun glaubte, Suhl hätte seine Sicherheit zurückgewonnen, wurde erneut überrascht. Im dritten Durchgang gerieten die Gastge-berinnen mit 12:17 in Rückstand. Hamburg kämpfte leidenschaftlich, allen voran die erst 20-jährige Sina Siebert mit insgesamt 17 Punkten.

Da Cheftrainer László Hollósy krankheitsbedingt fehlte, musste sein Assistent Alberto Ruiz Rubio reagieren. Mit Auszeiten und Spielerwechseln brachte er neue Energie ins Suhler Spiel.

Angetrieben von den begeisterten Fans kämpften sich die Thüringerinnen Punkt für Punkt zurück. Beim 18:18 war der Ausgleich geschafft, beim 21:20 übernahm Suhl wieder die Führung. Mit 25:22 sicherte sich das Wolfsrudel schließlich den umjubelten Dreisatzerfolg.

Drei Punkte und eine wichtige Erkenntnis

Kapitänin Roosa Laakkonen bezeichnete die Begegnung treffend als eine wichtige Lektion für ihre Mannschaft.

Der VfB Suhl bewies Kampfgeist und mentale Stärke, offenbarte aber zugleich ungewohnte Schwächen. Gegen den kommenden Gegner Allianz MTV Stuttgart könnten solche Konzentrationsprobleme schwerwiegendere Folgen haben.

Denn Meisterschaften gewinnt man nicht nur mit glänzenden Auftritten, sondern auch an Tagen, an denen nicht alles gelingt.

Drei Punkte bleiben in Suhl. Doch die vielleicht wichtigste Erkenntnis dieses Nachmittags lautet: Auch ein dreifacher Titelträger muss sich jeden Erfolg aufs Neue erarbeiten.