3 November 2026

Wie die Zahlen lesen

Die Statistik eines Volleyballspieles ist ausgesprochen interessant, weil sie weit mehr verrät als das reine Spielergebnis. Sie zeigt beispielsweise, wie erfolgreich einzelne Spielerinnen waren, wie gut die Annahme funktionierte, wie wirkungsvoll die Angriffe waren und in welchen Spielsituationen eine Mannschaft besonders viele Punkte verlor.

Erklärung einer Statistik Schritt für Schritt am Beispiel des Punkstspiels zwischen den Dredner SC und dem VfB Suhl. Es werden die konkrete Zahlen aus dem Spiel verwendet. So kannst du zukünftig solche Statistiken selbst lesen.

1. Das Spielergebnis – die Grundlage

Dresdner SC – VfB Suhl LOTTO Thüringen 3:0

Satz

Dresdner SC

VfB Suhl

1.Satz

27

25

2.Satz

25

17

3.Satz

25

17

Gesamt

77

59

Bereits hier erkennen wir einen wichtigen Unterschied zwischen den Mannschaften.

Im ersten Satz war Suhl absolut konkurrenzfähig. Dresden musste bis in die Verlängerung kämpfen, um den Satz mit 27:25 zu gewinnen.

In den folgenden beiden Sätzen veränderten sich die Kräfteverhältnisse deutlich. Dresden gewann jeweils mit acht Punkten Vorsprung.

Die erste Erkenntnis: Während Suhl im ersten Satz noch auf Augenhöhe spielte, konnte Dresden anschließend seine Überlegenheit deutlicher zur Geltung bringen.

2. Die wichtigsten Abkürzungen verstehen

In der Statistik findest du mehrere Spalten mit Abkürzungen.

Besonders wichtig sind die Begriffe KILL-Prozentsatz, Angriffseffizenz und Sideout. Diese drei Werte helfen dir, die tatsächliche Qualität einer Mannschafteinzuschätzen.

3. Die Angriffswerte – wie erfolgreich war Suhl?

Schauen wir uns die Gesamtstatistik an.

Was bedeutet das?

Beide Mannschaften erreichen einen KILL-Prozentsatz von 43 Prozent. Das bedeutet: Von 100 Angriffen führten rechnerisch etwa 43 unmittelbar zu einem Punkt. Die Dresdnerinnen waren im Angriff also keineswegs wesentlich erfolgreicher als Suhl. Allerdings unterscheiden sich die Angriffseffizienzen.

Dei Berechnungen lautet: Angriffseffizenz = (Angriffspunkte - Angriffsfehler - geblockte Angriffe) : Angriffsversuche * 100
Für Suhl: ( 37-7-7 ) : 86 * 100 = 26,7 % Für Dresden: ( 40-6-6) : 93 * 100 = 30,1 %

Einschätzung:
Der Unterschied im Angriff war insgesamt relativ gering. Die deutliche Niederlage lässt sich deshalb nicht allein durch eine schwache Angriffsleistung erklären. Es müssen andere Bereich betrachtet werden.

4. Die Annahme - hier zeigt sich ein entscheidender Unterschied

Die Annahme ist die Grundlage für einen erfolgreichen Spielaufbau. Je präziser eine Spielerin den gegnerischen Aufschlag annimmt, desto mehr Möglichkeiten hat die Zuspielerin, ihre Angreiferinnen einzusetzen. Die Statistik unterscheidet zwischen positiven Annahmen und der Annahmeeffizienz.
Die Werte beider Mannschaften:

Kennzahl

Dresdner SC

VfB Suhl

Annahmen

58

69

Annahmefehler

3

17

Positive Annahmen

38 %

29 %

Annahmeneffizienz

22 %

-4 %

Hier erkennt man einen erheblichen Unterschied. Dresden beging lediglich drei Annahmefehler. Suhl dagegen 17 ! Das ist ein auffälliger Wert. Jeder direkte Annahmefehler bedeutet einen Punkt für die gegneruische Mannschaft. Besonders interessant ist die negative Annahmeeffizienz von Suhl. Sie bedeutet nicht, dass Suhl überhaupt keine gute Annahmen hatte. Vielmehr waren die negativen Aktionen im Verhältnis zu den positiven bewerteten Aktionen so zahlreich, dass die rechnerische Effizienz unter null fiel.

Die Schwierigkeiten in der Annahme waren ein wesenlicher Grund dafür, dass Suhl den eigenen Spielaufbau nicht so variabel und wirkungsvoll gestaltten konnte wie Dresden.

5. Die Aufschläge - Dresden setzte Suhl unter Druck

Auch bei den Angaben bzw. Aufschlägen zeigen sich deutliche Unterschiede

Kennzahl

Dresdner SC

VfB Suhl

Aufschläge

75

61

Aufschlagsfehler

6

3

Asse

17

3

Aufschlagseffizienz

15 %

0 %

17 Asse für Dresden für Dresden gegenüber nur drei Assen für Suhl! Das ist einer der auffälligsten Unterschide dieser Partie. Ein Ass ist ein Aufschlag, der unmittelbar zu einem Punkt führt, weil der Gegner den Volleyball nicht regelgerecht zurückspielen kann oder ohne Abwehrreaktion aufs gegnerische Spielfeld ladet.

Dresden erzielte also allein durch direkte Aufschlagspunkte 14 Punkte mehr als Suhl. Dabei ist interessant, dass Dresden mit sechs Aufschlagsfehlern auch mehr Fehler als Suhl produzierte. Die Dresdnerinnen gingen beim Aufschlag offenbar größere Risiken ein, wurden dafür aber mit einer hohen Anzahl direkter Punkte belohnt.
Einschätzung:

Dresdens Aufschläge waren ein entscheidender Erfolgsfaktor. Sie brachten Suhls Annahme immer wieder in Schwierigkeiten und verhinderten damit häufig einen geordneten Spielaufbau.